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Weitere InformationenYoga in Indien und Leben im Ashram – Interview mit Meera Marie Karanath
Wie ist es wirklich, in einem Yoga Ashram in Indien zu leben und Yoga nicht nur zu praktizieren, sondern zum festen Bestandteil des eigenen Alltags zu machen? Darüber spreche ich in dieser Interviewfolge mit Meera Marie Karanath, die ursprünglich aus Tschechien stammt und heute gemeinsam mit ihrem Mann Harilal Karanath das Arsha Yoga Gurukulam in Kerala in Südindien leitet. Im Interview nimmt sie uns mit in eine Welt, in der Yoga weit mehr bedeutet als eine Yogastunde auf der Matte und erzählt davon, wie sehr das Leben zwischen unterschiedlichen Kulturen auch die eigene persönliche Entwicklung verändern kann.
Meeras Weg nach Indien begann lange bevor sie dort dauerhaft lebte. Schon früh zog es sie ins Ausland, bis sie schließlich über ihre eigene Yogapraxis und ihre Yogalehrerausbildung Harilal kennenlernte. Nach ihrer Hochzeit führte ihr gemeinsamer Weg nach Kerala in Südindien, wo sie heute mit ihrer Familie lebt und Yoga in einer sehr traditionellen Form vermittelt. Besonders spannend ist dabei eine Beobachtung, die viele Menschen aus dem Westen überraschen dürfte: Nur weil Yoga ursprünglich aus Indien stammt, bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Mensch dort Yoga praktiziert. Das Anliegen des Arsha Yoga Gurukulam ist deshalb unter anderem, traditionelles Yogawissen auch für die Menschen vor Ort wieder zugänglich zu machen.
Wer einen Ashram Aufenthalt in Indien ausschließlich mit einem durchgeplanten Retreatprogramm verbindet, wird in Meeras Erzählungen ebenfalls eine andere Perspektive kennenlernen. Gäste leben im Ashram sehr nah am Alltag der Familie, nehmen an der morgendlichen Yogapraxis teil, essen gemeinsam und erleben einen Tagesablauf, der wesentlich stärker von der Umgebung und dem Moment geprägt ist. Gerade dieses Herauskommen aus den gewohnten Strukturen kann viel bewegen, denn plötzlich gibt es weniger Ablenkung und damit häufig mehr Raum für die eigene Wahrnehmung.
Im Interview sprechen wir deshalb nicht nur über Yoga in Indien, sondern auch darüber, was geschieht, wenn wir uns auf eine vollkommen andere Kultur einlassen. Meera beschreibt das Leben zwischen Europa und Indien wie eine Reise zwischen zwei verschiedenen Planeten. Andere gesellschaftliche Regeln, ein anderes Verständnis von Privatsphäre und Gemeinschaft sowie vollkommen andere Alltagsrhythmen haben sie immer wieder dazu gebracht, nach innen zu schauen und sich zu fragen, was tatsächlich zu ihr gehört.
Gerade diese Frage finde ich auch über Yoga hinaus unglaublich wertvoll: Wie können wir offen für unsere Umgebung sein, ohne uns selbst darin zu verlieren? Anpassung kann uns helfen, neue Erfahrungen zu machen, doch gleichzeitig braucht es ein Bewusstsein für die eigenen Werte und Grenzen. Diese Form der Selbsterkenntnis entsteht häufig nicht dadurch, dass wir noch mehr theoretisches Wissen sammeln, sondern indem wir neue Erfahrungen machen und beobachten, was sie in uns auslösen.
Meera erzählt außerdem von Karma Yoga und den sozialen Projekten des Ashrams. Einheimische werden kostenlos zu Yogalehrern ausgebildet, Menschen aus der Umgebung unterstützt und viele Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft auf freiwilliger Basis übernommen. Yoga zeigt sich hier nicht nur als körperliche oder spirituelle Praxis, sondern auch in der Frage, wie wir handeln und welchen Beitrag wir für andere leisten.
Ein weiterer wichtiger Teil des Interviews ist Meeras eigener Weg als Frau. Durch das Leben in Indien, die Mutterschaft und ihre unterschiedlichen Rollen begann sie sich intensiver mit weiblichen Zyklen, Energiearbeit, Tantra und einer Yoga-Praxis auseinanderzusetzen, die stärker auf die Bedürfnisse des weiblichen Körpers eingeht. Dabei wurde deutlich, dass auch eine fundierte Ausbildung irgendwann an ihre Grenzen kommen kann, wenn das Gelernte nicht mehr zur eigenen Erfahrung passt.
Genau dieser Gedanke ist auch für meine heutige Arbeit und die Human Design Coaching Ausbildung zentral: Wissen schafft eine wichtige Grundlage, doch echte Transformation entsteht erst, wenn wir beginnen, dieses Wissen zu erleben, zu hinterfragen und zu verkörpern. Ob Yoga oder Human Design – am Ende geht es nicht darum, einem System möglichst perfekt zu folgen, sondern uns selbst darin immer besser kennenzulernen.
Aus dem Gespräch mit Meera bleiben deshalb besonders drei Qualitäten hängen, die sie Menschen auf ihrem Weg mitgeben möchte: Geduld, Bescheidenheit und Ausdauer. Vielleicht sind genau sie ein guter Gegenentwurf zu unserem Wunsch, Entwicklung immer schneller vorantreiben zu wollen, denn manche Erfahrungen brauchen Zeit, bis wir wirklich verstehen, was sie uns lehren möchten.
